Brustkrebs-Studie: Höheres Sterberisiko mit Alternativmedizin

Pharmazeutische Zeitung  |  20.04.2026 15:20 Uhr

Bei Brustkrebs nur Alternativmedizin? Studienergebnisse zeigen deutlich schlechtere Überlebenschancen. Was dahinterstecken könnte.

Eine jungere Gynäkologin erklärt etwas einer älteren Frau. An der Wand sind Plakate zur Frauengesundheit unscharf zu erkennen.
Brustkrebs und Alternativmedizin: Die Studienautoren nehmen an, dass viele Betroffene mit ihrem Arzt, ihrer Ärztin nicht über ihre Nutzung von Alternativmedizin sprechen.
© DragonImages/iStockphoto

Wer bei Brustkrebs ausschließlich auf Komplementär- oder Alternativmedizin (CAM) setzt, hat schlechtere Überlebenschancen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Analyse der Daten von mehr als zwei Millionen Frauen mit Brustkrebs aus den USA. Sie enthält etwa 70 Prozent der neu diagnostizierten Krebserkrankungen und Informationen, die Betroffene mit Ärztinnen und Ärzten teilten. 

Weniger als 0,1 Prozent nutzte nur Komplementär- oder Alternativmedizin

Dabei ergab sich folgende Aufteilung: 

  • Die überwiegende Mehrheit (97,6 Prozent) hatte sich für Standardtherapien wie Bestrahlung, Operation, Chemo-, Immun- oder Hormontherapie entschieden.
  • 273 Betroffene, weniger als 0,1 Prozent, nutzten ausschließlich Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) und verzichteten so auf Standardtherapien.
  • 568 Personen, was noch immer weniger als 0,1 Prozent ist, kombinierten die herkömmliche Therapie und CAM.
  • 47.713 Patientinnen (2,3 Prozent) erhielten gar keine Therapie.

Sterberisiko: CAM-Gruppe deutlich im Nachteil

Wer sich ausschließlich für CAM entschieden hatte, hatte noch schlechtere Aussichten als Frauen ohne jegliche Therapie. Im Vergleich zur traditionell behandelten Gruppe war das Risiko, innerhalb von fünf Jahren zu sterben, in der CAM-Gruppe fast vier Mal so hoch. 

Auch bei Kombination von CAM und Standardtherapie Nachteile

Auch, wer CAM und Standardtherapie kombinierte, hatte ein höheres relatives Sterberisiko – um 45 Prozent. Woran könnte das liegen? Das Forschungsteam stellte fest: Wer auf eine Kombination aus CAM und herkömmlicher Medizin setzte, ließ vor allem Hormontherapie, Bestrahlung oder andere Methoden der herkömmlichen Medizin weg. Das könnte das Ergebnis erklären. Studienleiter Professor Daniel Boffa erklärte: „Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung traditioneller Behandlungsmethoden und die negativen Folgen, die entstehen, wenn auch nur ein Teil davon ausgelassen wird“, betont Boffa.

Wenig CAM zusätzlich zur Standardtherapie genutzt – oder nicht darüber gesprochen?

Was allerdings das Forschungsteam überraschte, war, wie wenige Betroffene nach offiziellen Angaben CAM zusätzlich zur Standardtherapie nutzten. Ein möglicher Grund: Viele verwendeten CAM in der Selbstmedikation ohne Absprache mit Ärztinnen oder Ärzten. Boffa geht davon aus: Einige Patientinnen könnten CAM in Anspruch genommen haben, um die mit der Standardtherapie verbundenen Nebenwirkungen besser bewältigen und die Therapie vollständig abschließen zu können. So könnte CAM zu besseren Gesundheitsergebnissen der Standardtherapie beigetragen haben.

Brustkrebs-Therapie: Offen über Wünsche und Erwägungen sprechen

Das Studienteam betont, wie wichtig es für beide Seiten – Patientinnen wie Ärzte – ist, alle Behandlungsformen anzusprechen und offen darüber zu diskutieren, um eine gemeinsame Entscheidung zu treffen, die Nutzen und Risiken aller Therapiemethoden in Betracht zieht. So können beispielsweise in bester Absicht eingenommene Nahrungsergänzungsmittel eine orale Antitumortherapie negativ beeinflussen.

DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.0337

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