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Arbeitssucht: Warum Überstunden kein Zeichen für gute Leistung sind

ZOU  |  04.04.2025 08:51 Uhr

Menschen, die viele Überstunden machen, leisten nicht unbedingt mehr als andere. Das ist das Fazit einer Studie, die das Arbeitsverhalten und Engagement in der Covid-19-Pandemie beleuchtet hat.

Junge Frau, sieht am Computer, draußen ist es dunkel.
Wer viele Überstunden macht, gefährdet damit seine psychische und körperliche Gesundheit.
© nensuria/iStockphoto

Drei Arten von Arbeitsverhalten unterscheidet die Studie in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“: 

  • Arbeitssucht, wenn Menschen zu viel in ihre Arbeit investieren, unter ständigem innerem Druck stehen und zwanghaft an die Arbeit denken („Workaholics“).
  • Normales Arbeitsengagement, das mit einem positiven psychischen Zustand verbunden ist, der mit Elan, Enthusiasmus und Konzentration einhergeht.
  • Affektives Engagement, das durch eine emotionale Bindung an das Unternehmen gekennzeichnet ist.

Allgemein war das Gefühl der Zugehörigkeit bei jedem Arbeitsverhalten mit einem hohen Arbeitseinsatz verbunden. 

Arbeitssucht war hauptsächlich durch weniger positive Ziele motiviert, zum Beispiel dem Bedürfnis, sich selbst und anderen seinen Wert zu beweisen. 14 Prozent der Menschen waren Workaholics. „Das Problem ist, dass dies nie endet und letztendlich destruktiv wird“, sagte Prof. Marie-Colombe Afota, von der Universität Montréal. „Arbeitssucht hat ausschließlich negative Auswirkungen. Die Daten zeigen, dass sie zu einer Erhöhung der Arbeitsstundenzahl, Arbeitsüberlastung und einem Risiko für Depressionen und emotionales Burnout führt.“

Ein normales Arbeitsengagement war dagegen nicht mit Arbeitsüberlastung verbunden und schützte vor Depressionen und Burnout. „Dieses Ergebnis widerlegt die gängige Meinung, dass Unternehmen von Mitarbeitern profitieren, die lange arbeiten. Tatsächlich ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen“, stelle Afota fest.

Affektives Engagement war in der Studie nicht mit der psychischen Gesundheit verbunden.

Qualität ist wichtiger als Quantität

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es für Führungskräfte wichtig ist, die Warnsignale von Arbeitssucht zu erkennen und Arbeitsengagement als positive Investition zu fördern. „Arbeitgeber messen zwar die Quantität, also die Menge der Arbeitszeit, aber es ist eine kognitive Verkürzung, zu dem Schluss zu kommen, dass jemand, der viel arbeitet, kompetent ist. Unternehmen täten gut daran, Managementpraktiken einzuführen, die die Work-Life-Balance fördern. Denn die Qualität des Arbeitsengagements ist wichtiger als die Quantität“, fasste Afota zusammen. 

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