04.01.2019
Zucker ist ungesund und macht dick, lautet die gängige Meinung. Viele gesundheitsbewusste Menschen achten daher auf eine zuckerreduzierte Ernährung. Auch Produkte mit natürlichen oder künstlich hergestellten Süßungsmitteln sollen dabei helfen. „Gesünder machen diese Zuckeraustauschstoffe allerdings nicht unbedingt“, sagt Ingrid Töws vom Institut für Evidenz in der Medizin an der Universität Freiburg. Sie hat über 50 Studien zu diesem Thema ausgewertet.
Nach systematischer Literaturrecherche wählten die Wissenschaftler 56 Studien für ihre Analyse aus. Hierbei fanden sie weder bei erwachsenen Konsumenten noch bei Kindern überzeugende Beweise für eine eindeutig gesundheitsfördernde Wirkung der alternativen Süßstoffe im Vergleich zu herkömmlichem Zucker. So lässt sich beispielsweise eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Kindern und Erwachsenen nicht eindeutig belegen. Umgekehrt können die Forscher anhand der verfügbaren Literatur schädigende Effekte der chemischen Verbindungen nicht sicher ausschließen.
Mittlerweile existiert eine Vielzahl von Süßungsmitteln, die sich nicht nur geschmacklich, sondern auch im Hinblick darauf unterscheiden, wie der Organismus sie weiterverarbeitet, berichtet die Forscherin im Fachjournal The BMJ. Immer wieder stehen sie im Verdacht, beispielsweise das Risiko für Übergewicht, Diabetes oder sogar Krebs zu erhöhen. Angesichts der insgesamt schwachen Datenlage, wünscht sich Töws methodisch einwandfreie Studien mit ausreichend langer Beobachtungsdauer. Diese sollten die Auswirkungen verschiedener Dosen und Kombinationen von Zuckerersatzstoffen sowohl in der gesunden Bevölkerung als auch an erkrankten Personen und Schwangeren untersuchen.
Zusammen mit weiteren europäischen Kollegen hat Töws untersucht, inwiefern normal- und übergewichtige Personen hinsichtlich verschiedener gesundheitlicher Werte wie Körpergewicht, Blutzucker, Essverhalten, Blutdruck, Zahngesundheit, Krebsrisiko sowie weiterer Organerkrankungen von einem Ersatz der „herkömmlichen“ Zucker durch natürlich vorkommende oder synthetische Alternativen wie Stevia und Cyclamat profitieren.
jl/PZ/RF