Natascha Schleif
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03.04.2025 11:31 Uhr
Häufig krank: Was ist noch normal?
Manche Menschen erkälten sich fast nie, andere nehmen hingegen fast jeden Infekt mit. Häufig zu erkranken ist unangenehm, in der Regel aber harmlos, beruhigt Allgemeinmediziner Dr. Uwe Popert aus Kassel. "Bei Erwachsenen sind bis zu zwölf unkomplizierte Atemwegsinfekte im Jahr unbedenklich und deuten nicht auf eine Immunschwäche hin", erklärt der Experte, der auch Sprecher der Sektion Hausärztliche Versorgung der Deutschen Gesellschaftfür Allgemeinmedizin und Familienmedizin ist.
Häufig treffe es Eltern, deren Kinder in einer Krippe oder Kindertagesstätte immer wieder mit neuen Erregern in Kontakt kommen. Die körpereigene Abwehr muss sich bei Kleinkindern erst noch ausbilden. Das funktioniert nur, indem die Kleinen in Kontakt mit diversen Erregern kommen. "Für Kinder und ihre Eltern ist diese Zeit oft kräftezehrend, aber in der Regel nach einem Jahr überstanden", weiß Popert.
Anfälliger bei Allergien
Anfälliger auf Erkältungsviren reagieren auch Menschen mit Allergien etwa gegen Hausstaub oder Pollen. "Bei Allergikern ist die Nase oft nicht optimal belüftet, deswegen haben Krankheitserreger ein leichteres Spiel", erklärt der Mediziner. In diesem Fall könne nach Absprache mit dem Hausarzt ein Kortison-Nasenspray helfen, damit die Schleimhäute dauerhaft abschwellen.
Immunsystem stärken: So geht es
Wer sein Immunsystem stärken will, sollte auf einen gesunden Lebensstil achten. Dazu gehören:
- regelmäßige Bewegung an der frischen Luft,
- ausreichend Schlaf,
- eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse,
- Stressabbau,
- einfache Hygieneregeln wie Händewaschen und regelmäßiges Lüften.
Auch Heilpflanzen können zur Immunstärkung beitragen: Pflanzliche Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich sowie Präparate mit Echinacea (Purpursonnenhut) haben in Studien das Risiko für Atemwegsinfekte reduziert, berichtet Professor Dr. Robert Fürst von der Universität München.
Ein weiterer Tipp: Nasensprays mit Carragelose – einem Wirkstoff aus der Rotalge – können vorbeugend gegen Erkältungsviren wirken. Der Wirkstoff legt sich wie ein Schutzfilm über die Nasenschleimhaut und erschwert Viren das Eindringen. Das Spray wird vorbeugend oder bei ersten Krankheitsanzeicihen angewendet. In einer argentinischen Studie mit Krankenhauspersonal, das fast täglich direkten Kontakt zu Covid-19-Patienten hatte, zeigte sich eine schützende Wirkung, wenn das Spray viermal am Tag genutzt wurde.
Doch ganz vermeiden lassen sich Infekte dadurch nicht. "Es gibt kein Wundermittel, mit dem man garantiert ohne Infekt durch die Erkältungszeit kommt", betont Dr. Popert. Manche Menschen sind genetisch besser gegen Erkältungen gewappnet – für alle anderen hilft vor allem: Das Immunsystem mit den richtigen Methoden stärken.
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