Apotheker Rüdiger Freund
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27.03.2025 08:27 Uhr
Akne (Acne vulgaris) ist eine entzündliche Hauterkrankung, die vor allem in der Pubertät auftritt, aber auch im Erwachsenenalter vorkommen kann. Besonders betroffen sind Gesicht, Nacken, Rücken und Brust – also Bereiche mit einer hohen Dichte an Talgdrüsen. Akne entsteht, wenn Talgdrüsen verstopfen und sich entzünden, meist durch eine übermäßige Talgproduktion, vermehrte Verhornung und Bakterien.
Während leichte Formen oft von selbst abheilen, können schwere Verläufe Narben hinterlassen. Besonders schwere Formen, wie Akne inversa (Hidradenitis suppurativa), können chronisch verlaufen und schmerzhaft sein. Obwohl Akne nicht direkt gefährlich ist, kann sie durch sichtbare Hautveränderungen das Selbstbewusstsein stark beeinträchtigen. Eine frühzeitige und gezielte Behandlung kann helfen, die Haut zu verbessern und Folgeschäden zu vermeiden.
Symptome von Akne
Akne entwickelt sich schrittweise und kann je nach Schweregrad und Form unterschiedlich ausgeprägt sein. Typisch sind Mitesser (Komedonen), Pickel (Papeln) und entzündliche Pusteln, die vor allem im Gesicht, auf dem Rücken, an den Schultern und auf der Brust auftreten. In schweren Fällen können sich tiefe, schmerzhafte Knoten und Abszesse bilden, die Narben hinterlassen.
Typische Symptome von Akne
- Mitesser (Komedonen) sind nicht entzündete, verstopfte Talgdrüsen. Offene Mittesser äußern sich als schwarze Punkte, geschlossene als weiße Knötchen.
- Pickel (Papeln) sind gerötete, entzündete Erhebungen der Haut.
- Eitrige Pusteln sind mit Eiter gefüllte Pickel, die oft schmerzhaft sind.
- Knoten und Abszesseliegen tiefer. Die Knoten können sich entzünden, vergrößern und vernarben.
- Fettige Haut entsteht durch verstärkte Talgproduktion und führt zu glänzender, öliger Haut.
- Narbenbildung kann in schweren Fällen nach Abheilung der Entzündungen entstehen und bleibende Hautveränderungen verursachen.
Akne tritt häufig in Schüben auf und kann sich je nach Hormonlage und äußeren Einflüssen verschlechtern oder verbessern.
Verlauf
Der Verlauf von Akne ist individuell und hängt vom Schweregrad, der Ursache und der Behandlung ab. Während leichte Formen oft von selbst abheilen, kann unbehandelte schwere Akne zu Narben und chronischen Entzündungen führen.
- Leichte Akne kann mit geeigneter Hautpflege und milden medizinischen Cremes, z. B. mit Benzoylperoxid oder Salicylsäure, oft gut kontrolliert werden.
- Mittelschwere Akne bessert sich durch gezielte Therapie mit antibakteriellen Wirkstoffen, z. B. Antibiotika-Cremes oder Retinoiden (Vitamin-A-Derivate), innerhalb weniger Wochen bis Monate.
- Schwere Akne erfordert oft eine systemische Behandlung, z. B. mit Isotretinoin oder Hormontherapie bei Frauen. Dadurch lassen sich Entzündungen reduzieren und das Risiko für Narbenbildung senken.
- Langfristige Pflege und regelmäßige dermatologische Kontrollen helfen, Rückfälle zu vermeiden.
Ohne Behandlung kann Akne kann sich verschlimmern, besonders bei hormonellen Veränderungen oder falscher Hautpflege. Narben oder Pigmentflecke können zurückbleiben und zu einem verminderten Selbstwertgefühl oder sozialer Unsicherheit frühen. Bei Akne inversa, können schmerzhafte Knoten und Abszesse als chronisches Bild auftreten und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Ursachen von Akne
Akne entsteht, wenn die Talgdrüsen übermäßig viel Hautfett (Sebum) produzieren und sich gleichzeitig abgestorbene Hautzellen in den Poren ansammeln. Dies führt zu verstopften Poren, in denen sich Bakterien (Cutibacterium acnes) vermehren und Entzündungen auslösen. Hormonelle Veränderungen, genetische Veranlagung und äußere Faktoren wie falsche Hautpflege oder Ernährung können Akne zusätzlich begünstigen.
Akne erkennen: Das sind die 7 Formen
- Akne vulgaris (gewöhnliche Akne)
Häufigste Form, tritt meist in der Pubertät auf.
Ursache: Hormonelle Umstellung (Androgene erhöhen die Talgproduktion), vermehrte Verhornung der Haut und Bakterienwachstum.
Betroffene Stellen: Gesicht, Rücken, Brust.
- Akne tarda (Erwachsenenakne)
Tritt nach dem 25. Lebensjahr auf, meist bei Frauen.
Ursache: Hormonelle Schwankungen (z. B. durch Menstruation, Schwangerschaft, Pille), Stress, Ernährung oder Kosmetika.
Betroffene Stellen: Kinn, Wangen, Kieferpartie.
- Akne neonatorum (Neugeborenenakne)
Tritt bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen auf.
Ursache: Mütterliche Hormone, die während der Schwangerschaft übertragen wurden.
Betroffene Stellen: Gesicht (v. a. Stirn und Wangen).
- Akne venenata (Kontaktakne)
Entsteht durch äußere Reize, z. B. falsche Kosmetika, mechanische Reibung oder Chemikalien (z. B. Chlor, Teer).
Ursache: Kontakt mit reizenden Stoffen, die die Talgdrüsen beeinflussen.
Betroffene Stellen: Gesicht, Hals, Dekolleté.
- Akne inversa (Hidradenitis suppurativa)
Chronische, schmerzhafte Form mit Knoten, Abszessen und Fisteln in Hautfalten (Achseln, Leisten, Gesäß).
Ursache: Genetische Veranlagung, Übergewicht, Rauchen, Entzündungen der Haarfollikel.
Betroffene Stellen: Körperfalten mit viel Reibung.
- Medikamenten- oder Steroid-Akne
Entsteht durch bestimmte Medikamente wie Kortison, Antidepressiva oder Anabolika.
Ursache: Veränderte Talgproduktion durch Arzneimittel.
Betroffene Stellen: Rücken, Brust, Schultern.
- Fungale Akne (Malassezia-Follikulitis)
Tritt durch eine Überwucherung von Hefepilzen (Malassezia) in den Haarfollikeln auf.
Ursache: Feucht-warmes Klima, übermäßige Talgproduktion, Antibiotika-Behandlungen oder Immunschwäche.
Betroffene Stellen: Rücken, Brust, Schultern, seltener im Gesicht.
Risikofaktoren für Akne
- Hormonelle Veränderungen (Pubertät, Schwangerschaft, Menstruation)
- Genetische Veranlagung
- Fettige Haut und übermäßige Talgproduktion
- Ernährung und Lebenswandel (hoher Zuckerkonsum, Milchprodukte, Rauchen, Alkohol, Fast Food)
- Stress und psychische Belastung
- Falsche Hautpflege (z. B. fettige Cremes, aggressive Reinigungsmittel)
- Bestimmte Medikamente (z. B. Steroide, Lithium, Hormonpräparate)
Diagnose von Akne
Die Diagnose von Akne erfolgt in der Regel durch eine klinische Untersuchung der Haut. Der Arzt beurteilt Art, Anzahl und Verteilung der Hautveränderungen und fragt nach möglichen Risikofaktoren wie hormonellen Schwankungen, Medikamenteneinnahme oder Ernährungsgewohnheiten.
Diagnostische Mittel:
- Hautuntersuchung
- Einteilung der Akneform
- Bewertung des Schweregrads (leicht, mittelschwer, schwer)
- Zusätzliche Tests bei unklarer Diagnose wie Hautabstrich, Mikroskopie, Hormonstatus, Allergietests oder Ernährungsprotokolle
Therapie: So lässt sich Akne behandeln
Die Behandlung von Akne richtet sich nach Schweregrad, Ursache und Akneform. Ziel ist es, Entzündungen zu reduzieren, die Talgproduktion zu regulieren und Narbenbildung zu vermeiden. Sie reicht von angepasster Hautpflege und rezeptfreien Mitteln bis hin zu medikamentösen Behandlungen vom Hautarzt.
Hautpflege und milde Behandlung (bei leichter Akne)
Sanfte Reinigung mit pH-neutralen, seifenfreien Waschgelen. Nicht-komedogene Feuchtigkeitspflege (fettfreie, leichte Cremes oder Gels). Rezeptfreie Wirkstoffe: Benzoylperoxid (BPO) wirkt antibakteriell und schält die Haut leicht ab. Salicylsäure löst Verhornungen und öffnet verstopfte Poren. Azelainsäure wirkt entzündungshemmend und hemmt das Wachstum von Akne-Bakterien.
Rezeptpflichtige Cremes und Gele (bei mittelschwerer Akne)
Retinoide (z. B. Adapalen, Tretinoin) beschleunigen die Hauterneuerung, lösen Verhornungen. Antibiotika-Cremes (z. B. Clindamycin, Erythromycin) wirken direkt gegen Akne-Bakterien. Auch Kombinationspräparate z. B. Benzoylperoxid und Adapalen oder Benzoylperoxid und Clindamycin werden eingesetzt.
Medikamentöse Therapie (bei schwerer oder hartnäckiger Akne)
Orale Antibiotika (z. B. Doxycyclin, Minocyclin) reduzieren Bakterien und Entzündungen. Hormontherapie für Frauen z. B. die Pille mit antiandrogener Wirkung (Dienogest, Cyproteronacetat) können die Talgproduktion senken. Isotretinoin (Vitamin-A-Derivat, hochwirksam gegen schwere Akne) hemmt die Talgproduktion, verringert Entzündungen und normalisiert die Hauterneuerung. (Nur unter ärztlicher Aufsicht, da starke Nebenwirkungen möglich sind.)
Dermatologische Spezialbehandlungen
Chemische Peelings (z. B. mit Fruchtsäure oder Salicylsäure) lösen abgestorbene Hautzellen und öffnen Poren. Mikrodermabrasion oder Lasertherapie helfen bei Narbenbehandlung oder hartnäckiger Akne. Licht- und Photodynamische Therapie (PDT) können bei schwerer Akne die Bakterien reduzieren.
Behandlung bei besonderen Akneformen
- Fungale Akne (Malassezia-Follikulitis): Antimykotische Cremes oder Tabletten (z. B. Ketoconazol, Fluconazol).
- Akne inversa: Kombination aus Antibiotika, entzündungshemmenden Medikamenten und in schweren Fällen chirurgischen Eingriffen.
- Hormonelle Akne: Oft mit Hormontherapie oder gezielter Hautpflege behandelbar.
Was die Apotheke bei Akne rät
- Reinigungsprodukte mit Salicylsäure oder Zink entfernen überschüssigen Talg und wirken antibakteriell.
- Nicht-komedogene Feuchtigkeitscremes beruhigen die Haut, ohne die Poren zu verstopfen.
- Sanfte Peelings (z. B. mit Fruchtsäure) lösen Verhornungen, aber maximal zwei bis dreimal pro Woche anwenden.
- Teebaumöl hat eine natürliche antibakterielle Wirkung, sollte aber vorsichtig dosiert werden, um Hautreizungen zu vermeiden.
- Milchprodukte, Zucker und Fast Food reduzieren.
- Auf Alkohol und Rauchen am besten verzichten.
- Regelmäßig Hände und Kopfkissen reinigen, um die Verbreitung von Bakterien zu verhindern.
- Pickel nicht ausdrücken! Das erhöht das Risiko für Entzündungen und Narben.
Akne kurz zusammengefasst
- Akne ist eine weit verbreitete Hauterkrankung, die besonders Jugendliche betrifft.
- Hormonelle Einflüsse, Talgüberproduktion und bakterielle Besiedlung sind die Hauptursachen.
- Die Behandlung reicht von Hautpflege bis zu Medikamenten.
- Gesunde Ernährung, Stressmanagement und sanfte Pflege unterstützen den Heilungsprozess.
zuletzt aktualisiert: 17.03.2025
Quellen