Gesundheit

Heuschnupfen: Symptome und Behandlung

Natascha Schleif  |  01.04.2025 08:27 Uhr

Bei Heuschnupfen reagiert das Immunsystem auf die Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern. Typisch sind Beschwerden wie Schnupfen, Niesen oder juckende Augen.

Mann, putzt sich draußen die Nase.
Wenn der Frühling zum Leben erwacht, beginnen bei vielen Menschen typische Heuschnupfen-Beschwerden.
© mkrberlin/iStockphoto

Eine Pollenallergie ist weit verbreitet: Etwa 15 bis 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen. Je nachdem, gegen welche Pollen das Immunsystem allergisch reagiert, können die Beschwerden schon im Februar starten.  Folgende Tabelle zeigt, in welcher Jahreszeit welche Pollen besonders aktiv sind:

Hasel 

Februar 

Erle 

Ende Februar bis Mitte März 

Pappel

März bis Mitte April

Weide

Mitte März bis Ende April

Esche 

April

Hainbuche 

April 

Birke 

April

Buche 

April bis Mitte Mai

Kiefer

Mai

Gräser 

Mitte Mai bis Mitte Juli 

Wegerich 

Juni bis Mitte August 

Roggen 

Juni

Brennessel

Juli bis Mitte August

Beifuß

August

Traubenkraut

August bis Mitte September

Quelle: Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, www.pollenstiftung.de 

Bei einer Pollenallergie kann man die allergieauslösenden Substanzen kaum meiden. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, um die Symptome zu bekämpfen. Heuschnupfen lässt sich auch ursächlich mit einer Immuntherapie behandeln.

Symptome von Heuschnupfen

Typische allergische Symptome bei Heuschnupfen sind:

  • Atemwege: Niesen, laufende oder verstopfte Nase, in ausgeprägten Fällen auch asthmatische Beschwerden wie Atemnot und Husten

  • Augen: Juckreiz, Rötung, tränende Augen

Verlauf 

Eine Allergie kann sich in jedem Alter entwickeln. Häufig startet sie schon im Kindes- oder Jugendalter. In der Regel verläuft Heuschnupfen chronisch und verschwindet ohne Behandlung nicht wieder von allein. Typisch ist, dass die Beschwerden am Anfang eher leicht ausgeprägt sind und erst mit den Jahren schlimmer werden.

Im Verlauf über viele Jahre kann eine Pollenallergie zu einem sogenannten Etagenwechsel führen: Dabei dehnen sich die Beschwerden auf die unteren Atemwege aus, und es entwickelt sich ein allergisches Asthma. 

Heuschnupfen: Was sind die Ursachen

Heuschnupfen entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems gegenüber eigentlich harmlosen Substanzen. Dabei spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle: Hat ein Elternteil bereits Heuschnupfen, haben Kinder ein höheres Risiko, selbst eine Allergie zu entwickeln. Als Auslöser werden auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung oder Tabakrauch diskutiert. 

In Studien hat sich zudem gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, deutlich seltener an Asthma, Heuschnupfen oder anderen Allergien erkranken als andere Kinder. Daraus haben Wissenschaftler die sogenannte Hygienehypothese abgeleitet: Demnach soll eine frühe Auseinandersetzung mit potenziellen Allergenen sowie Keimen und Schmutz vor der Entwicklung einer Allergie schützen. Umgekehrt bedeutet dies, dass eine übertriebene Hygiene Allergien fördern könnte. Abschließend belegt ist diese Hypothese nicht.

Diagnose 

Die Diagnose einer Allergie umfasst mehrere Schritte:

Anamnese: Der Arzt erfasst die Krankheitsgeschichte und die Symptome, die oft bereits einen klaren Hinweis auf das Vorliegen einer Allergie liefern. 

Pricktest: Der Pricktest ist ein gängiges Verfahren, um eine Allergie festzustellen. Dabei werden verschiedene Allergene auf die Haut aufgetragen und die Haut wird leicht eingeritzt, damit die Allergene in den Körper gelangen. Dann wird die Reaktion beobachtet: Zeigen sich Rötungen, Schwellungen oder Quaddeln, liegt eine Allergie vor. 

Bluttest: Über das Blut können spezifische IgE-Antikörper gegen Allergene im Blut gemessen werden. Dieser Test dient oft zur Bestätigung oder Ergänzung des Pricktests, ist aber auch hilfreich, wenn dieser nicht durchführbar oder nicht aussagekräftig genug ist.

Provokationstest: Dabei wird das vermutete Allergen unter kontrollierten Bedingungen in der Arztpraxis auf die Schleimhaut des Patienten aufgebracht, um eine Reaktion auszulösen und zu beobachten. Dieser Test wird in der Regel nur genutzt, wenn die übrigen Tests ergebnislos oder nicht eindeutig ausgefallen sind. 

Behandlung von Heuschnupfen

Allergien sollten behandelt werden, um die Beschwerden zu lindern und um schwere Verläufe oder auf Dauer mögliche Spätfolgen wie einen Etagenwechsel zu verhindern. Die Behandlung besteht aus mehreren Säulen:

Behandlung akuter Allergieschübe

Bei Heuschnupfen helfen akut je nach Bedarf Augentropfen, Nasensprays oder Tabletten mit Antihistminika wie Azelastin, Bilastin, Cetirizin, Desloratadin oder Loratadin. Viele Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. 

Empfehlenswert sind zudem Nasensprays mit kortisonähnlichen Wirkstoffen: Sie lindern Beschwerden wie eine verstopfte Nase, entfalten ihre Wirkung aber erst nach einigen Tagen der Anwendung. Sie können dafür – im Gegensatz zu abschwellenden Nasensprays – auch langfristig eingesetzt werden. 

Immuntherapie 

Die Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie (SIT) ist die einzige Behandlung, die nicht nur die Symptome einer Allergie lindert, sondern gezielt deren Ursache bekämpft. Dabei wird das Immunsystem schrittweise an das verantwortliche Allergen gewöhnt, sodass die überschießende Abwehrreaktion nach und nach abnehmen soll. 

Dabei wird das Allergen zunächst in sehr geringer Dosis zugeführt, die dann schrittweise gesteigert wird. Das Allergen wird dabei entweder subkutan (unter die Haut gespritzt) oder sublingual (in Form von Tropfen oder Tabletten unter die Zunge gelegt) verabreicht. Dadurch nimmt die Empfindlichkeit gegenüber dem Allergen ab, und die Symptome fallen milder aus oder verschwinden ganz.

Die Behandlung ist wirksam, aber zeitaufwendig: Die Therapie dauert meist drei bis fünf Jahre.

Was die Apotheke rät

In der Apotheke gibt es viele rezeptfreie Präparate gegen Heuschnupfen wie Antihistaminika, Nasensprays oder Augentropfen. Viele Menschen fürchten, dass Medikamente gegen Allergien müde und schlapp machen. Bei neueren Wirkstoffen ist diese Sorge unbegründet. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke vor Ort beraten. 

Darüber hinaus ist es wichtig, die jeweiligen Allergieauslöser – wenn möglich − zu meiden. Bei Heuschnupfen ist das schwierig, aber auch hier lässt sich einiges tun, um die Belastung zu reduzieren: 

  • Pollenschutzgitter vor Fenstern
  • Pollenfilter für die Lüftungsanlage des Autos
  • pollendichte Staubsauger
  • regelmäßiges Saugen sowie Wischen in der Wohnung
  • Wäsche nicht draußen trocknen
  • Nicht im Schlafzimmer umziehen und getragene Kleidung dort nicht deponieren
  • Haare in der Pollensaison vor dem Schlafengehen ausspülen, um keine Pollen mit ins Bett zu tragen

Heuschnupfen kurz zusammengefasst

  • Bei Heuschnupfen reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Substanzen wie Baum- oder Gräserpollen.
  • Typische Symptome sind Niesen, eine laufende oder verstopfte Nase, tränende und juckende Augen. Selten können auch Atembeschwerden bis hin zum allergischen Asthma auftreten.
  • Die Diagnose erfolgt durch Haut- und Bluttests beim Arzt.
  • Heuschnupfen lässt sich in der Regel gut behandeln. Dafür eignen sich Medikamente, die akut gegen allergische Beschwerden helfen. Durch eine Hyposensibilisierung kann eine Allergie langfristig besser werden oder sogar ganz verschwinden. 

zuletzt aktualisiert: 17.03.2025

Quellen

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