Natascha Schleif
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07.03.2025 09:33 Uhr
Stellen Sie sich vor, Ihr Immunsystem hält harmlose Substanzen wie Pollen oder Tierhaare für gefährliche Eindringlinge und löst eine Abwehrreaktion aus. Dieses übertriebene Reaktionsmuster nennt man Allergie. Die Beschwerden, die dadurch entstehen, können ganz unterschiedlich ausfallen: Oft sind sie nur mild, in vielen Fällen beeinträchtigen sie die Lebensqualität und in schweren Fällen sind sie sogar lebensbedrohlich. Zu den typischen Auslösern einer Allergie zählen folgende Substanzen:
In einigen Fällen lassen sich die allergieauslösenden Substanzen meiden. Das ist aber nicht immer der Fall, zum Beispiel bei einer Pollen- oder Hausstauballergie. In diesen Fällen gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Symptome zu bekämpfen. Es ist auch möglich, eine Allergie ursächlich mit einer Immuntherapie zu behandeln.
Allergien treten häufig auf: Schätzungen gehen davon aus, dass jeder dritte Erwachsene von einer Allergie betroffen ist.
Symptome einer Allergie
Typische allergische Symptome sind:
- Atemwege: Niesen, laufende oder verstopfte Nase, Husten, Atemnot bis hin zu allergischem Asthma.
- Augen: Juckreiz, Rötung, tränende Augen
- Haut: Juckreiz, Rötung, Quaddelbildung (Urtikaria), Ekzeme
- Verdauungstrakt: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (häufig bei Nahrungsmittelallergien).
In extremen Fällen kann es zu einem allergischen Schock kommen, einer sogenannten Anaphylaxie. Darunter versteht man eine plötzlich auftretende, sehr starke allergische Reaktion, die sich auf den ganzen Körper ausbreitet und ohne Behandlung lebensbedrohlich sein kann. Die häufigsten Auslöser von schweren Anaphylaxien sind Nahrungsmittel wie Nüsse, Fisch oder Hühnereier sowie Insektengifte und Medikamente.
Wie verläuft eine Allergie?
Eine Allergie kann sich in jedem Alter entwickeln. Häufig startet sie schon im Kindes- oder Jugendalter. In der Regel ist eine Allergie chronisch und verschwindet ohne Behandlung nicht wieder von allein. Typisch für eine Allergie ist, dass die Beschwerden am Anfang eher leicht ausgeprägt sind und erst mit den Jahren schlimmer werden.
So ist beispielsweise bekannt, dass eine Pollenallergie über viele Jahre zu einem sogenannten Etagenwechsel führen kann: Dabei breiten sich die Beschwerden auf die unteren Atemwege aus, und es entwickelt sich ein allergisches Asthma.
Was sind die Ursachen einer Allergie?
Eine Allergie entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems gegenüber eigentlich harmlosen Substanzen. Dabei spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle: Hat ein Elternteil eine oder mehrere Allergien, haben Kinder ein höheres Risiko, selbst eine Allergie zu entwickeln. Als Auslöser werden auch Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung oder Tabakrauch diskutiert.
In Studien hat sich zudem gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, deutlich seltener an Asthma, Heuschnupfen oder anderen Allergien erkranken als andere Kinder. Daraus haben Wissenschaftler die sogenannte Hygienehypothese abgeleitet: Demnach soll eine frühe Auseinandersetzung mit potenziellen Allergenen sowie Keimen und Schmutz vor der Entwicklung einer Allergie schützen. Umgekehrt bedeutet dies, dass eine übertriebene Hygiene Allergien fördern könnte. Abschließend belegt ist diese Hypothese nicht.
Diagnose einer Allergie
Die Diagnose einer Allergie umfasst mehrere Schritte:
Anamnese: Der Arzt erfasst die Krankheitsgeschichte und die Symptome, die oft bereits einen klaren Hinweis auf das Vorliegen einer Allergie liefern.
Pricktest: Der Pricktest ist ein gängiges Verfahren, um eine Allergie festzustellen. Dabei werden verschiedene Allergene auf die Haut aufgetragen und die Haut wird leicht eingeritzt, damit die Allergene in den Körper gelangen. Dann wird die Reaktion beobachtet: Zeigen sich Rötungen, Schwellungen oder Quaddeln, liegt eine Allergie vor.
Bluttest: Über das Blut können spezifische IgE-Antikörper gegen Allergene im Blut gemessen werden. Dieser Test dient oft zur Bestätigung oder Ergänzung des Pricktests, ist aber auch hilfreich, wenn dieser nicht durchführbar oder nicht aussagekräftig genug ist.
Provokationstest: Dabei wird das vermutete Allergen unter kontrollierten Bedingungen in der Arztpraxis auf die Schleimhaut des Patienten aufgebracht, um eine Reaktion auszulösen und zu beobachten. Dieser Test wird in der Regel nur genutzt, wenn die übrigen Tests ergebnislos oder nicht eindeutig ausgefallen sind.
Epikutantest (Pflastertest): Dieser Test eignet sich bei Verdacht auf Allergien, die sich nicht unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Auslöser bemerkbar machen. Dafür wird ein Pflaster mit dem vermuteten Allergen für 1 bis 2 Tage auf den Rücken geklebt und kontrolliert, ob die Haut anschwillt, sich rötet und juckt.
Die genaue Diagnose ist wichtig, um genau festzustellen, gegen welche Substanzen eine Allergie vorliegt. Nur so kann eine gezielte Therapie stattfinden oder die Allergieauslöser richtig gemieden werden.
Behandlung einer Allergie
Allergien sollten behandelt werden, um die Beschwerden zu lindern und um schwere Verläufe oder auf Dauer mögliche Spätfolgen wie einen Etagenwechsel zu verhindern. Die Behandlung besteht aus mehreren Säulen:
Behandlung akuter Allergieschübe
Bei Allergien vom Soforttyp wie Heuschnupfen oder einer Allergie gegen Tierhaare oder Hausstaub helfen akut je nach Bedarf Augentropfen, Nasensprays oder Tabletten mit Antihistminika wie Azelastin, Bilastin, Cetirizin, Desloratadin oder Loratadin. Viele Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
Empfehlenswert sind zudem Nasensprays mit kortisonähnlichen Wirkstoffen: Sie lindern Beschwerden wie eine verstopfte Nase, entfalten ihre Wirkung aber erst einige Tage nach der Anwendung. Sie können dafür – im Gegensatz zu abschwellenden Nasensprays – auch langfristig eingesetzt werden.
Bei Kontaktallergien etwa gegen Nickel oder Duftstoffe behandelt man entzündete Haut akut meist mit Cremes, Gels oder Lotionen mit Kortison bzw. kortisonähnlichen Wirkstoffen.
Bei entzündlichen Hautausschlägen ist eine gute Basispflege und Rückfettung der Haut mit duftstoff- und konservierungsstofffreien Cremes und Salben wichtig. Dazu kann die Apotheke vor Ort beraten.
Insektengift-Allergiker müssen in der Wespen- und Bienensaison stets ein Notfallset mit speziellen Medikamenten dabeihaben (Adrenalin-Spritze, ein Antihistaminikum und ein Kortisonpräparat). Das ist wichtig, da bei ihnen ein Stich zu einem anaphylaktischen Schock führen kann.
Immuntherapie
Die Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie (SIT) ist die einzige Behandlung, die nicht nur die Symptome einer Allergie lindert, sondern gezielt deren Ursache bekämpft. Dabei wird das Immunsystem schrittweise an das verantwortliche Allergen gewöhnt, sodass die überschießende Abwehrreaktion nach und nach abnehmen soll.
Dabei wird das Allergen zunächst in sehr geringer Dosis zugeführt, die dann schrittweise gesteigert wird. Das Allergen wird dabei entweder subkutan (unter die Haut gespritzt) oder sublingual (in Form von Tropfen oder Tabletten unter die Zunge gelegt) verabreicht. Dadurch nimmt die Empfindlichkeit gegenüber dem Allergen ab, und die Symptome fallen milder aus oder verschwinden ganz.
Die Behandlung ist wirksam, aber zeitaufwendig: Die Therapie dauert meist drei bis fünf Jahre.
Was die Apotheke bei Allergien rät
In der Apotheke gibt es viele rezeptfreie Präparate gegen Allergien wie Antihistaminika, Nasensprays oder Augentropfen. Viele Menschen fürchten, dass Medikamente gegen Allergien müde und schlapp machen. Bei neueren Wirkstoffen ist diese Sorge unbegründet. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke vor Ort beraten.
Darüber hinaus ist es wichtig, die jeweiligen Allergieauslöser zu meiden. Nicht immer ist das vollständig möglich, zum Beispiel bei Heuschnupfen. Aber auch hier lässt sich einiges tun, um die Belastung zu reduzieren:
- Pollenschutzgitter vor Fenstern
- Pollenfilter für die Lüftungsanlage des Autos
- pollendichte Staubsauger
- regelmäßiges Saugen sowie Wischen in der Wohnung
- Wäsche nicht draußen trocknen
- Nicht im Schlafzimmer umziehen und getragene Kleidung dort nicht deponieren
- Haare in der Pollensaison vor dem Schlafengehen ausspülen, um keine Pollen mit ins Bett zu tragen
Allergie kurz zusammengefasst
- Allergien sind Überreaktionen des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen (Allergene).
- Typische Symptome sind Niesen, Juckreiz, Hautreaktionen, Atembeschwerden oder Verdauungsprobleme.
- Die Diagnose erfolgt durch Haut- und Bluttests beim Arzt.
- Allergien lassen sich in der Regel gut behandeln. Dafür eignen sich Medikamente, die akut gegen allergische Beschwerden helfen. Durch eine Hyposensibilisierung kann eine Allergie langfristig besser werden oder sogar ganz verschwinden.
Zuletzt aktualisiert: 05.03.2025
Quellen