Natascha Schleif
Schleimige Durchfälle, sehr häufiger Stuhlgang, Blut im Stuhl, krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber: Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine chronische Schleimhautentzündung im Verdauungstrakt. Die Krankheit tritt vor allem bei jüngeren Menschen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Eine Behandlung ist dringend notwendig, um Komplikationen vorzubeugen.
Symptome von Morbus Crohn
Erste Anzeichen für die Krankheit sind schleimige Durchfälle, Blut im Stuhl, krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber. Halten die Beschwerden an, empfiehlt sich ein Besuch beim Gastroenterologen, der die Ursache abklärt und gegebenenfalls andere Erkrankungen, wie etwa Darmkrebs ausschließt. Morbus Crohn verläuft in Schüben, deren Stärke und Häufigkeit variieren kann.
Betroffene verlieren Gewicht und leiden an Mangelerscheinungen. Denn aufgrund der chronischen Darmentzündung können die Nährstoffe aus der Nahrung nicht vollständig aufgenommen werden.
Verlauf und Komplikationen
Heftige Schübe mit starken Symptomen und längere Remissionsphasen ohne Beschwerden wechseln einander ab. Heilbar ist der Morbus Crohn bislang nicht. Dank moderner Therapien lassen sich die Beschwerden jedoch minimieren. Inzwischen liegt die Lebenserwartung der Betroffenen auf dem gleichen Niveau gesunder Menschen.
Bei einem unbehandelten Morbus Crohn besteht jedoch die Gefahr erheblicher Komplikationen:
- Fisteln: Beim Morbus Crohn sind alle Wandschichten des entzündeten Abschnittes betroffen. Das heißt, die Entzündung kann sich durch die Wandschicht nach außen fortsetzen. Folge sind nicht selten Fisteln, also kleine Wundkanäle, welche von der Entzündung bis an die Hautoberfläche reichen. Besonders häufig sind diese im Bereich des Darmausganges zu finden.
- Auch Eiteransammlungen unter der Haut oder im Bauchraum sind ein häufiges Problem.
- Die chronische Entzündung führt zu einer Wandverdickung des betroffenen Abschnittes. Dies hat Einengungen des Darmrohres zur Folge. Sind diese sehr ausgeprägt, kann der Stuhlgang sie nicht mehr passieren und es kommt zum Darmverschluss.
- Führt die Entzündung zu einem Loch in der Darmwand, tritt Stuhl in die Bauchhöhle aus, es besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung.
- Die Entzündung kann auch andere Organe betreffen. So sind beispielsweise Entzündungen der Augen, Gelenkentzündungen oder Haut- oder Leberveränderungen nicht selten.
Ursachen von Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine seltene Krankheit. Sie tritt vor allem bei jüngeren Menschen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken:
- Genetische Veranlagung: Studien zeigen, dass bestimmte genetische Mutationen, insbesondere im NOD2-Gen, das Risiko erhöhen, an Morbus Crohn zu erkranken.
- Immunsystem: Eine Fehlregulation des Immunsystems kann dazu führen, dass die Darmschleimhaut angegriffen wird, was Entzündungen verursacht.
- Umweltfaktoren: Rauchen erhöht das Risiko für Morbus Crohn erheblich. Zudem wird diskutiert, dass Faktoren wie Ernährung und psychischer Stress eine Rolle spielen könnten.
- Darmflora: Eine veränderte Zusammensetzung der Darmbakterien kann die Barrierefunktion des Darms beeinträchtigen und Entzündungen begünstigen.
Diagnose
Die Diagnose von Morbus Crohn erfordert einen umfassenden Ansatz.
- Anamnese und körperliche Untersuchung: Der Arzt bzw. die Ärztin erhebt zunächst eine detaillierte Krankengeschichte, um Symptome, deren Dauer und Intensität sowie familiäre Vorbelastungen zu erfassen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung.
- Laboruntersuchungen: Hierzu zählen Bluttests und Stuhltests.
- Endoskopische Verfahren: Bei einer Darmspiegelung wird der gesamte Dickdarm und der letzte Abschnitt des Dünndarms untersucht. Typische Befunde bei Morbus Crohn sind unzusammenhängende Entzündungsherde, Geschwüre und Verengungen. Während der Untersuchung können Gewebeproben entnommen werden.
- Magenspiegelung: Weil Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt betreffen kann, wird manchmal auch eine Untersuchung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm durchgeführt.
- Bildgebende Verfahren: Bei einem Ultraschall werden Wandverdickungen des Darms sichtbar gemacht. Die MRT-Enterographie ermöglicht eine detaillierte Darstellung des Dünndarms und hilft, das Ausmaß der Erkrankung sowie mögliche Komplikationen wie Fisteln oder Abszesse zu erkennen.
Behandlung von Morbus Crohn
Morbus Crohn ist derzeit nicht heilbar, mithilfe von Medikamenten und anderen Maßnahmen kann man die Lebensqualität jedoch deutlich steigern. Ziel der Therapie ist es zum einen, akute Beschwerden zu lindern. Zum anderen sollen weitere Krankheitsschübe und mögliche Komplikationen hinausgezögert bzw. verhindert werden.
Zu den wesentlichen Behandlungsmaßnahmen bei Morbus Crohn zählen
- Medikamente
- Ernährungsanpassung
- Osteoporoseprophylaxe
- Rauchverzicht
In ausgeprägten Fällen kann ein chirurgischer Eingriff nötig sein.
Medikamente bei Morbus Crohn
Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Welches Präparat im Einzelfall infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, so vor allem davon, ob der Patient gerade einen akuten Entzündungsschub hat, wo sich die Entzündung befindet und wie ausgeprägt die Entzündung ist.
Medikamente während eines akuten Schubs
Um die Entzündung während eines akuten Schubs einzudämmen, kommen zur Therapie unterschiedliche Wirkstoffe infrage:
- Kortisonpräparate (Kortikosteroide) wirken unter anderem entzündungshemmend. Bei einem leichten bis mittelschweren Schub kann der Wirkstoff Budenosid in Form einer Tablette, eines Einlaufs oder von Rektalschaum helfen. Das Medikament wirkt direkt im Darm. Bei einem schwereren Entzündung, die im Übergang zwischen Dick- und Dünndarm oder im rechtsseitigen Dickdarm vorliegt, können sogenannte systemische Kortikosteroide zum Einsatz kommen. Sie wirken auf den ganzen Körper, sodass sie zum einen effektiver sind, zum anderen aber auch häufiger mit Nebenwirkungen verbunden sind. Als Dauertherapie sind Kortikosteroide bei Morbus Crohn nicht geeignet.
- Salicylate können bei einem leichten Verlauf als Alternative zu Kortisonpräparaten zum Einsatz kommen.
- Immunsuppressiva wie der Wirkstoff Azathioprin unterdrücken das Immunsystem und können bei schweren Verläufen hilfreich sein.
- In besonderen Fällen können bei schweren Entzündungen und ausgeprägten Fisteln die TNF-alpha-Antagonisten Infliximab und Adalimumab verschrieben werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn andere Medikamente keinen Erfolg gebracht haben. Bei TNF-alpha-Antagonisten handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Medikamente, die körpereigenen Antikörpern ähneln.
- In manchen Fällen ist der Wirkstoff Methotrexat geeignet, der das Zellwachstum hemmt.
- Darüber hinaus können Mittel gegen Durchfall, z. B. mit dem Wirkstoff Loperamid, krampflösende Arzneimittel und Schmerzmittel wie Paracetamol Beschwerden lindern.
- Antibiotika können zur Therapie von Morbus Crohn ebenfalls sinnvoll sein. So können die Wirkstoffe Metronidazol oder Ciprofloxacin etwa bei Fisteln im Analbereich eingesetzt werden.
Medikamente zur Vorbeugung eines erneuten Schubs
Nach einem akuten Schub kann es nötig sein, dass der Patient weiterhin Medikamente einnimmt, um das Risiko für einen Rückfall zu minimieren. Ob Medikamente sinnvoll sind, wird der Arzt sorgfältig abwägen.
Als Dauertherapie kommen Wirkstoffe wie
infrage. Auch weitere Antikörperpräparate, die Vorgänge im Immunsystem beeinflussen, kann der Arzt verordnen. Für ein optimales Behandlungsergebnis kann es notwendig sein, einzelne Wirkstoffe miteinander zu kombinieren. Die Behandlung kann über Monate bis Jahre hinweg fortgeführt werden.
- Wenn der Morbus Crohn zu einem Eisenmangel geführt hat, wird der Arzt ggf. ein Eisenpräparat verschreiben.
- Bei Morbus Crohn ist das Risiko für eine Osteoporose (Knochenschwund) erhöht. Zur Vorbeugung können Präparate mit Vitamin D und Kalzium helfen, aber auch eine kalziumreiche Ernährung.
Ernährungsanpassung
Mithilfe der Ernährung kann man eine Menge tun, um die Beschwerden zu lindern und einen erneuten Schub zu verhindern. Welche Ernährungsanpassungen nötig sind, kann individuell ganz unterschiedlich sein. Grundsätzlich gilt: Speisen, die man nicht gut verträgt, sollte man möglichst meiden. Darüber hinaus können verschiedene Ernährungsanpassungen und diätetische Maßnahmen notwendig sein: In sehr schweren Fällen kann man den Patienten kurzfristig über eine Sonde oder einen Venenkatheter ernähren.
Psychische Unterstützung
Morbus Crohn ist zwar eine körperliche Erkrankung – aber sie ist auch psychisch sehr belastend. Der Alltag kann mit Morbus Crohn erheblich eingeschränkt sein, was sich auf die Psyche niederschlagen kann – etwa in Form von Depressionen. Für Menschen, die sehr unter der Krankheit leiden oder nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, stehen verschiedene unterstützende Angebote zur Verfügung.
Morbus Crohn kurz zusammengefasst
- Symptome und Verlauf: Morbus Crohn äußert sich durch schleimige Durchfälle, Blut im Stuhl, Bauchschmerzen und Fieber. Die Krankheit verläuft in Schüben.
- Die genaue Ursache ist unbekannt, aber genetische Veranlagung, Fehlregulation des Immunsystems, Umweltfaktoren und veränderte Darmflora spielen eine Rolle.
- Eine umfassende Diagnose ist nötig, um individuelle Behandlungsmaßnahmen ableiten zu können
- Behandlung: Ziel ist die Linderung akuter Schübe und Prävention weiterer Schübe
H2: Quellen
- Leben mit Morbus Crohn, www.leben-mit-ced.de/
- Herold, G.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2017
- Hahn, J.-M., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn.
- Online-Information der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung – DCCV: www.dccv.de