Apotheker Rüdiger Freund
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04.04.2025 07:27 Uhr
Schleimbeutel (Bursae) befinden sich an vielen Stellen im Körper, insbesondere dort, wo Sehnen, Muskeln oder Haut über Knochen gleiten. Die mit Flüssigkeit gefüllten Polster wirken als Puffer und Gleitkissen, um Reibung und Druckbelastung zu reduzieren.
Durch Überlastung, wiederholte Bewegungen, Verletzungen oder Infektionen können Schleimbeutel sich entzünden. Diese Entzündung führt zu Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Unbehandelt kann eine Bursitis chronisch werden und zu anhaltenden Beschwerden führen. In seltenen Fällen kann eine bakterielle Infektion die Ursache sein (septische Bursitis). Dann besteht das Risiko einer Ausbreitung der Infektion, was zu einer schweren Gelenkentzündung (Arthritis) oder einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann. Daher ist es wichtig, die Ursache frühzeitig abzuklären und die Entzündung gezielt zu behandeln, um langfristige Schäden zu vermeiden.
Symptome einer Schleimbeutelentzündung
Eine Bursitis kann sich schleichend oder plötzlich entwickeln, abhängig von der Ursache.
- Häufig entsteht sie durch chronische Überlastung, wiederholte Bewegungen oder Fehlhaltungen, wodurch der Schleimbeutel gereizt wird.
- In anderen Fällen tritt sie plötzlich nach einer Verletzung auf, beispielsweise durch einen direkten Stoß, einen Sturz oder eine Überdehnung des Gelenks.
- Bei einer bakteriellen Infektion (septische Bursitis) kann die Entzündung besonders schnell auftreten und von Fieber begleitet werden.
Typische Symptome sind:
- Schmerzen bei Bewegung oder Druck auf das betroffene Gelenk
- Sicht- oder tastbare Schwellung
- Rötung und Überwärmung
- Eingeschränkte Beweglichkeit
Häufig betroffene Gelenke und gelenktypische Schmerzen:
- Schulter (Bursitis subacromialis)
Entstehung: Überlastung durch Überkopfarbeiten oder Sport
Symptome: Schmerzen beim Anheben des Arms, nächtliche Schmerzen, Schwellung und Überwärmung - Ellenbogen (Bursitis olecrani)
Entstehung: Auch als „Studentenellenbogen“ bekannt, häufig durch langes Aufstützen verursacht
Symptome: Schwellung und Rötung an der Rückseite des Ellenbogens, Schmerzen bei Bewegung oder Druck - Hüfte (Bursitis trochanterica)
Entstehung: Kommt häufig bei Läufern, Menschen mit Schonhaltungen oder Fehlbelastungen vor
Symptome: Schmerzen an der Außenseite der Hüfte, die bis ins Bein ausstrahlen können - Knie (Bursitis praepatellaris oder infrapatellaris)
Entstehung: Durch kniende Tätigkeiten oder Überlastung („Hausfrauenknie“).
Symptome: Schmerzen an der Vorderseite oder Innenseite des Knies, Schwellung und Bewegungseinschränkung - Ferse (Bursitis subachillea oder retrocalcanea)
Entstehung: Häufig verursacht durch enge Schuhe oder hohe Belastung.
Symptome: Schmerzen im Bereich der Achillessehne, insbesondere bei Bewegung oder Druck, sowie eine eingeschränkte Beweglichkeit des Sprunggelenks
Verlauf
Eine akute Schleimbeutelentzündung kann innerhalb weniger Wochen ausheilen, wenn sie rechtzeitig behandelt wird. In dieser Zeit ist es wichtig, die betroffene Stelle nicht zusätzlich zu belasten, um die Heilung zu fördern.
Unbehandelt kann eine Bursitis jedoch chronisch werden und zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen führen. Dies kann wiederum zu einer Fehlbelastung des betroffenen Gelenks und angrenzender Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Bändern führen.
Besonders kritisch ist eine eitrige Bursitis, die durch Bakterien verursacht wird. Die Infektion kann sich ausbreiten und in schweren Fällen zu einer Gelenkinfektion (septische Arthritis) oder einer Blutvergiftung (Sepsis) führen, was eine umgehende – unter Umständen operative – Behandlung erforderlich macht.
Langfristig kann eine nicht ausgeheilte Schleimbeutelentzündung zu Verkalkungen im Gewebe führen, die wiederum Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verstärken. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für erneute Bursitiden, da der Schleimbeutel durch die Vorschädigung empfindlicher bleibt.
Ursachen einer Schleimbeutelentzündung
Normalerweise dienen Schleimbeutel als Puffer zwischen Sehnen, Muskeln und Knochen, um die Reibung zu reduzieren. Wird jedoch über längere Zeit eine starke Belastung oder ein mechanischer Reiz auf den Schleimbeutel ausgeübt, kann sich dieser entzünden.
Die häufigsten Ursachen für eine Bursitis sind:
- Mechanische Überlastung durch einseitige oder wiederholte Bewegungen
- Druckbelastung, zum Beispiel durch langes Knien oder Liegen auf harten Flächen
- Sportliche Aktivitäten wie Laufen, Tennis, Gewichtheben oder andere Sportarten mit starker Gelenkbelastung
- Sportverletzungen oder Unfälle
- Fehlhaltungen und Überbelastung, z. B. durch eine unergonomische Körperhaltung im Beruf oder beim Sport
- Durch Hautverletzungen oder bakterielle Infektionen kann eine eitrige Entzündung im Schleimbeutel entstehen
- Druckstellen durch falsches Schuhwerk (relevant für Fersen- oder Kniebursitis)
- Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Gicht können eine Schleimbeutelentzündung begünstigen
Diagnose
Zur Diagnose einer Bursitis führt der Arzt oder die Ärztin zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch, in dem Symptome, mögliche Auslöser und Vorerkrankungen erfragt werden. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der das betroffene Gelenk auf Schmerzen, Schwellung, Rötung und Beweglichkeit geprüft wird.
Weitere Diagnoseschritte:
- Eine Ultraschalluntersuchung zeigt vermehrte Flüssigkeitsansammlungen im Schleimbeutel und hilft, eine Bursitis von anderen Gelenkerkrankungen zu unterscheiden.
- Röntgen wird eingesetzt, um knöcherne Veränderungen oder Kalkablagerungen auszuschließen, die durch eine chronische Entzündung entstehen können.
- Ein Magnetresonanztomographie (MRT) liefert bei unklaren oder schweren Fällen genauere Bilder der Weichteile und Sehnen.
Falls eine bakterielle Infektion vermutet wird, kann eine Punktion des Schleimbeutels zur Analyse der Flüssigkeit notwendig sein. Dabei wird mit einer feinen Nadel Flüssigkeit entnommen, um zu prüfen, ob Bakterien oder andere entzündliche Prozesse vorliegen. Bei Verdacht auf eine systemische Entzündung oder entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht, wird häufig auch eine Blutuntersuchung durchgeführt. In den meisten Fällen reicht die körperliche Untersuchung in Kombination mit einer Ultraschalluntersuchung aus, um eine Bursitis sicher zu diagnostizieren.
Behandlung: So wird eine Bursitis therapiert
Die Behandlung einer Bursitis hängt von der Ursache, dem Verlauf und der Schwere der Entzündung ab. In den meisten Fällen reicht eine konservative Therapie mit Schonung, Kühlung und entzündungshemmenden Maßnahmen aus. Wenn die Beschwerden anhalten oder eine Infektion vorliegt, kann eine medikamentöse oder invasive (operative) Behandlung notwendig sein.
Das können Sie bei einer Bursitis tun
- Schonung des betroffenen Gelenks vermeidet weitere Reizung.
- Kühlung mit Eispackungen oder Kühlkompressen reduziert Schwellung und Schmerzen.
- Durch Hochlagern der betroffenen Extremität wird der Abfluss von Flüssigkeit gefördert und Schwellung verringert.
- Kompressionsverbände können die Schwellung eindämmen.
- Physiotherapie und Dehnübungen unterstützen die Stabilisierung und beugen weiterer Überlastungen vor.
- In manchen Fällen kann eine manuelle Therapie erforderlich sein, um verklebtes Gewebe zu lockern.
- Ergonomische Anpassungen im Alltag und Beruf um Fehlbelastungen zu vermeiden.
Eine medikamentöse Behandlung kann unterstützend oder bei schwereren Verläufen notwendig sein.
Zu den eingesetzten Medikamenten zählen:
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac lindern Schmerzen und hemmen die Entzündung.
- Kortison-Injektionen können in schweren Fällen direkt in den Schleimbeutel gespritzt werden, um die Entzündung zu reduzieren. Sie sollten jedoch nicht zu häufig angewendet werden, da sie Nebenwirkungen wie eine Schwächung des Gewebes haben können.
- Antibiotika sind notwendig, wenn eine bakterielle (septische) Bursitis vorliegt.
- Schmerzmittel (Paracetamol, Metamizol) können ergänzend zur Linderung eingesetzt werden.
Bei besonders schweren Verläufen können invasive Behandlungsmaßnahmen erforderlich sein.
Zu den invasiven Maßnahmen zählen:
- Punktion des Schleimbeutels, falls sich zu viel Flüssigkeit angesammelt hat oder eine Infektion ausgeschlossen werden soll.
- Eine chirurgische Entfernung des Schleimbeutels (Bursektomie) ist nur in seltenen, chronischen Fällen notwendig.
Bei einer frühzeitigen und gezielten Behandlung heilt eine Bursitis meist innerhalb weniger Wochen vollständig aus. Wichtig ist es, die Ursache zu beseitigen, um erneute Entzündungen zu vermeiden. Außerdem sollten nach der akuten Phase präventive Maßnahmen ergriffen werden, um erneute Entzündungen zu verhindern. Dazu zählen ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz, das Tragen von Schutzpolstern und regelmäßige Bewegung zur Stärkung der umliegenden Muskulatur.
Was die Apotheke bei einer Schleimbeutelentzündung rät
- Schmerz- und Entzündungshemmer (NSAR) aus der Apotheke können Beschwerden lindern.
- Salben oder kühlende Gele mit Diclofenac, Arnika oder Beinwell helfen bei akuten Entzündungen und können bei Bedarf mehrmals täglich angewendet werden.
- Pflanzliche Präparate wie Teufelskralle, Weihrauch oder Kurkuma können entzündungshemmende Eigenschaften haben und das Immunsystem unterstützen.
- Kollagen- oder Hyaluronsäure-Präparate können die Gelenkgesundheit bei chronischer Bursitis fördern.
- Bandagen oder Polsterungen können Druck auf den Schleimbeutel reduzieren und die betroffene Stelle entlasten.
- Schonen, kühlen, hochlagern unterstützt die Heilung in der Akutphase der Entzündung.
- Regelmäßige Dehnübungen können helfen, einer erneuten Bursitis vorzubeugen.
- Nach Abklingen der Beschwerden ist es empfehlenswert, erneute Überlastungen in Alltag, Sport und Beruf zu vermeiden.
Kurz zusammengefasst
- Eine Schleimbeutelentzündung entsteht durch Überlastung, Verletzungen oder Infektionen.
- Symptome sind Schmerzen, Schwellung und Bewegungseinschränkung.
- Die Behandlung umfasst Schonung, Medikamente und Physiotherapie.
- Eine frühe Behandlung kann chronische Veränderungen verhindern.
Zuletzt aktualisiert: 17.03.2025
Quellen