Gesundheit

Herzrhythmusstörungen: Symptome, Verlauf und Behandlung

Apotheker Rüdiger Freund  |  02.04.2025 08:03 Uhr

Herzrasen, plötzliches Aussetzen des Herzschlags oder Herzstolpern: Herzrhythmusstörungen können für Betroffene sehr beunruhigend sein. Doch was genau sind Herzrhythmusstörungen eigentlich, warum treten sie auf, und welche gesundheitlichen Folgen können sie haben?

Mann, hat Brustschmerzen.
Herzrasen oder ein unregelmäßiger Herzschlag sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
© brizmaker/iStockphoto

Herzrhythmusstörungen, fachsprachlich Arrhythmien, sind Abweichungen vom normalen Herzschlag. Bei einem gesunden Erwachsenen schlägt das Herz in Ruhe regelmäßig mit einer Frequenz von etwa 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Dieser gleichmäßige Rhythmus wird durch den Sinusknoten, den natürlichen Schrittmacher des Herzens, und ein komplexes Erregungsleitungssystem gewährleistet. Diese Systeme erzeugen elektrische Impulse und leiten sie in geordneter Abfolge an den Herzmuskel weiter, wodurch das Herz effizient Blut durch den Körper pumpt.

Kommt es zu einer Störung in diesem System, kann das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlagen. Manche dieser Störungen sind harmlos und bleiben unbemerkt, andere können ernsthafte gesundheitliche Folgen haben und lebensbedrohlich werden. Daher ist es wichtig, die Ursachen, Symptome und möglichen Risiken zu verstehen.

5 Arten von Herzrhythmusstörungen

  • Tachykardien: Herzrasen mit einer Frequenz von mehr als 100 Schlägen pro Minute.
  • Bradykardien: Langsamer Herzschlag mit weniger als 60 Schlägen pro Minute.
  • Extrasystolen: Zusätzliche Herzschläge, die den regulären Rhythmus unterbrechen.
  • Vorhofflimmern: die Vorhöfe des Herzens schlagen unregelmäßig und oft zu schnell, wodurch der Blutfluss ineffizient wird. Es kann zu Symptomen wie Herzrasen, Schwindel oder Atemnot führen.
  • Kammerflimmern: Eine lebensbedrohliche Rhythmusstörung, bei der die Herzkammern unkontrolliert und extrem schnell zucken, sodass kein Blut mehr gepumpt wird.

Symptome von Herzrhythmusstörungen

Die Symptome von Herzrhythmusstörungen können sehr unterschiedlich sein und reichen von leichten Beschwerden bis hin zu ernsten Komplikationen. Typische Anzeichen sind:

  • Herzklopfen
  • Herzrasen
  • ein langsamer oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Schwindel
  • Kurzatmigkeit
  • Unruhe

Betroffene klagen oft auch über Müdigkeit, Schwäche oder Brustschmerzen. 

Warnsignale für einen schwerwiegenden Verlauf sind Ohnmachtsanfälle (Synkopen), intensive Angstgefühle sowie eine bläuliche Verfärbung von Lippen, Fingernägeln oder Haut, bekannt als Zyanose.

Kammerflimmern, bei dem das Herz die Pumpfunktion komplett verliert, stellt einen medizinischen Notfall dar und erfordert sofortige Maßnahmen wie eine Defibrillation. Viele Herzrhythmusstörungen, beispielsweise gelegentliche Extrasystolen, bleiben jedoch unbemerkt und werden nur zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt.

Verlauf

Der Verlauf von Herzrhythmusstörungen hängt stark von den zugrunde liegenden Ursachen ab. Leichte Verläufe sind oft harmlos und können durch Lebensstiländerungen wie den Verzicht auf Koffein oder die Reduktion von Stress positiv beeinflusst werden. Schwerere Verläufe, die durch Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder koronare Herzkrankheiten verursacht werden, können zu ernsthaften Komplikationen führen.

Besonders Vorhofflimmern birgt ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, weil sich Blutgerinnsel im Herzen bilden und ins Gehirn wandern können. 

Noch dramatischer gestaltet sich die Situation bei Kammerflimmern, einer akuten und hochgradig gefährlichen Rhythmusstörung, bei der das Herz in einem unkoordinierten Muster zu schlagen beginnt. Hierbei kommt es zu einem vollständigen Ausfall der Pumpfunktion, was unbehandelt in wenigen Minuten zum Herzstillstand führt. 

Die Schwere und Dringlichkeit dieser Zustände machen deutlich, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung sind, um schwerwiegende Komplikationen zu verhindern und das Leben der Betroffenen zu schützen.

Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen haben eine Vielzahl möglicher Ursachen, die sich in herzbezogene und nicht-herzbezogene Faktoren unterteilen lassen.

Herzbezogene Ursachen

Zu den häufigsten herzbezogenen Ursachen gehören:

  • koronare Herzkrankheiten, bei denen verengte Herzkranzgefäße die Blutversorgung des Herzens beeinträchtigen, sowie
  • Herzinfarkte, bei denen Narbengewebe die elektrische Leitung im Herzen stört.
  • Auch Herzinsuffizienz oder Herzklappenfehler können den Herzrhythmus negativ beeinflussen.

Nicht-Herzbezogene Ursachen

Elektrische Fehlfunktionen, wie Störungen des Sinusknotens oder Blockaden im Reizleitungssystem, gehören ebenfalls zu den häufigen Ursachen. Darüber hinaus können Elektrolytstörungen (z. B. ein Ungleichgewicht von Kalium, Magnesium oder Natrium) und hormonelle Probleme, etwa Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, die elektrische Aktivität des Herzens stören.

Stress, der übermäßige Konsum von Koffein, Alkohol oder Nikotin sowie Drogenmissbrauch können das Risiko für Rhythmusstörungen ebenfalls erhöhen. Mit steigendem Alter steigt das Risiko weiter, weil das Herzmuskelgewebe degeneriert und die Leitungsbahnen anfälliger werden.

Gibt es Risikofaktoren?

Einige Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Herzrhythmusstörungen zu leiden. Dazu zählen ein höheres Alter, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie eine familiäre Veranlagung für Herzerkrankungen.

Diagnose von Herzrhythmusstörungen 

Die Diagnose von Herzrhythmusstörungen beginnt mit einer Anamnese, bei der die Ärztin oder der Arzt Beschwerden, Vorerkrankungen und möglichen Auslöser abklärt. Eine Untersuchung mit dem Stethoskop und eine Äußere Betrachtung des Brustkorbs kann erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten geben.

Ein Elektrokardiogramm (EKG) ist ein zentrales Diagnoseinstrument. Ein Ruhe-EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens in entspanntem Zustand auf, während ein Belastungs-EKG den Rhythmus unter körperlicher Anstrengung überwacht. Langzeit-EKGs erfassen den Herzschlag über 24 Stunden oder länger und helfen, sporadische Arrhythmien zu erkennen.

Weitere Verfahren wie Echokardiografie, Event- oder Loop-Recorder sowie Bluttests liefern zusätzliche Informationen. Bei komplexen Fällen kann eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) durchgeführt werden, um die Ursache der Arrhythmie genau zu lokalisieren.

Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen basiert auf verschiedenen Ansätzen, die je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung angewendet werden.

Ziel ist es, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen oder zu stabilisieren und mögliche Komplikationen wie Schlaganfälle zu verhindern.

Eine wichtige Rolle spielen Lebensstiländerungen, wie effektives Stressmanagement, die Reduktion von Koffein, Alkohol und Nikotin sowie eine herzgesunde Ernährung mit wenig Salz und gesunden Fetten. Ergänzt wird dies durch regelmäßige körperliche Aktivität, die das Herz-Kreislauf-System stärkt.

Medikamente wie Antiarrhythmika, Betablocker und Kalziumkanalblocker stabilisieren den Rhythmus oder entlasten das Herz. Blutverdünner wie Antikoagulanzien senken das Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern.

Interventionelle Verfahren wie Kardioversion oder Katheterablation kommen bei bestimmten Arrhythmien zum Einsatz. Implantierbare Geräte wie Herzschrittmacher oder Defibrillatoren bieten bei schwerwiegenden Störungen eine langfristige Lösung.

Neben diesen Maßnahmen ist die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen, wie Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunkton oder Elektrolytstörungen, entscheidend, um die Ursachen der Herzrhythmusstörungen nachhaltig zu beseitigen.

Was die Apotheke bei Herzrhythmusstörungen rät

Ein herzgesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung bei gleichzeitiger Vermeidung von Nikotin und Alkohol kann das Risiko von Herzrhythmusstörungen deutlich senken. Auch Regelmäßige Arztbesuche zur Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker tragen zur Vorbeugung bei. Außerdem sollten Sie Medikamente immer nur nach ärztlicher Verordnung einnehmen, da unkontrollierte Wechselwirkungen das Herz zusätzlich belasten können. 

Herzrhythmusstörungen kurz zusammengefasst

  • Herzrhythmusstörungen können harmlos oder gefährlich sein.
  • Die Symptome reichen von leichtem Schwindel bis hin zu Ohnmachtsanfällen.
  • Die Ursachen sind vielfältig, von Stress bis hin zu Herzerkrankungen.
  • Die Diagnose erfolgt oft über ein EKG.
  • Die Behandlung umfasst Medikamente, Lebensstiländerungen und ggf. auch die Implantation von stabilisierenden Geräten.

zuletzt aktualisiert: 17.03.2025

Quellen

 

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